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CDU Stadthagen

Stadthagen allgemein

Stadthagen, August 2026

Softairwaffen in der Innenstadt: CDU sieht neue Dimension und fordert Runden Tisch

 

Stadthagen. Erst vor wenigen Tagen hat die CDU Stadthagen öffentlich eine offenere Debatte über Sicherheit, Jugendarbeit, Integration und die Einhaltung gemeinsamer Regeln in der Innenstadt eingefordert. Nun geben neue Entwicklungen aus Sicht der Christdemokraten zusätzlichen Anlass zur Sorge: Mehrere Jugendliche wurden in den vergangenen Tagen in der Stadthäger Innenstadt mit Softairwaffen beziehungsweise täuschend echt wirkenden Pistolen beobachtet, teilweise auch auf E-Scootern.

Dabei handelt es sich nicht nur um einzelne Wahrnehmungen. Im Bereich der Obernstraße und des Marktplatzes haben mehrere Menschen unabhängig voneinander entsprechende Beobachtungen gemacht. Am Freitag, 21. August, wurde deshalb auch die Polizei verständigt. Zudem wurden Fotos der Situationen aufgenommen. Mehrere dieser Aufnahmen aus der Innenstadt liegen inzwischen auch der CDU Stadthagen vor. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes werden sie nicht veröffentlicht.

Am Freitagabend war anschließend bis gegen 22 Uhr wiederholt Polizeipräsenz in der Innenstadt zu beobachten. Polizeifahrzeuge patrouillierten durch den Innenstadtbereich. Nach Beobachtungen vor Ort wurden dabei auch Jugendliche angesprochen und offenbar kontrolliert.

„Wenn mehrere Menschen unabhängig voneinander solche Beobachtungen machen, Fotos davon existieren und schließlich die Polizei verständigt wird, dann reden wir nicht mehr über ein diffuses Sicherheitsempfinden“, erklärt CDU-Stadtverbandsvorsitzender Andreas Ahnefeld. „Jugendliche, die mit täuschend echt wirkenden Pistolen durch eine belebte Innenstadt ziehen, sind kein harmloser Spaß. Hier ist eine Grenze überschritten.“

Besonders auffällig ist zudem der Bereich vor dem Lebensmittelmarkt Böhne in der Niederstraße sowie die angrenzende Obernstraße. Auf dem Pflaster und insbesondere auch in den Fugen der Pflasterung sind dort zahlreiche kleine grüne Kunststoffkügelchen zu finden, wie sie als Munition für Softairwaffen verwendet werden. Auch hiervon liegen der CDU entsprechende Aufnahmen vor.

Ob sämtliche dort gefundenen Kügelchen tatsächlich aus den beobachteten Waffen stammen, lässt sich anhand der Funde allein nicht abschließend belegen. In Verbindung mit den Beobachtungen und den vorhandenen Fotos ergibt sich für die CDU jedoch ein Gesamtbild, das nicht ignoriert werden dürfe

„Wir haben bislang über Lärm, Pöbeleien, aggressives Verhalten, Müll oder rücksichtslose Fahrten mit E-Scootern gesprochen. Wenn jetzt Waffen oder waffenähnliche Gegenstände hinzukommen, verändert das die Situation grundlegend“, so Ahnefeld. „Wir müssen nicht warten, bis aus einer gefährlichen Situation tatsächlich eine Verletzung entsteht.“

Softairwaffen sind keineswegs grundsätzlich harmlos. Die verschossenen Kunststoffkugeln können insbesondere bei Treffern im Gesicht und am Auge erhebliche Verletzungen verursachen. Problematisch ist außerdem, dass viele Modelle echten Schusswaffen äußerlich sehr ähnlich sehen. Für Passanten und auch für Polizeibeamte ist aus einiger Entfernung nicht zwingend erkennbar, ob jemand eine Softairwaffe oder eine echte Schusswaffe in der Hand hält.

„Niemand, der durch die Innenstadt geht, kann aus einigen Metern Entfernung beurteilen, ob er gerade eine Softairwaffe oder eine echte Schusswaffe vor sich sieht“, betont Ahnefeld. „Allein deshalb ist ein solches Verhalten völlig inakzeptabel.“

Hinzu komme die Gefahr für unbeteiligte Menschen. Gerade der Bereich vor Böhne werde täglich von Kunden, Passanten, Familien und älteren Menschen genutzt.

„Man muss sich nur vorstellen, jemand schießt auf einen Freund, verfehlt ihn und trifft stattdessen ein Kind, eine ältere Dame oder einen anderen Passanten ins Auge“, so Ahnefeld. „Wer mit solchen Waffen in einer belebten Innenstadt hantiert, gefährdet im Zweifel Menschen, die mit der ganzen Situation überhaupt nichts zu tun haben.“

CDU-Bürgermeisterkandidat Heiko Tadge sieht deshalb dringenden Handlungsbedarf: „Wenn Waffen oder täuschend echt wirkende Waffen im öffentlichen Raum auftauchen, reicht es nicht mehr, nur über ein besseres Sicherheitsgefühl zu sprechen. Dann geht es um konkrete Gefahrenabwehr. Stadt, Polizei und Jugendarbeit müssen jetzt gemeinsam handeln und dürfen nicht erst reagieren, wenn tatsächlich etwas passiert.“

Die CDU fordert deshalb einen kurzfristig einzuberufenden Runden Tisch zur Situation in der Stadthäger Innenstadt. Daran sollten nach Vorstellung der Christdemokraten unter anderem Stadtverwaltung, Polizei, kommunaler Ordnungsdienst, Jugendamt, Jugendpflege und Streetwork sowie Schulen und weitere Akteure der Jugendarbeit teilnehmen. Auch Vertreter des Einzelhandels und weitere Innenstadtakteure könnten ihre Beobachtungen einbringen.

Ziel müsse zunächst ein gemeinsames und ehrliches Lagebild sein: Welche Vorfälle sind Polizei und Stadt bereits bekannt? Gibt es räumliche oder personelle Schwerpunkte? Welche Erkenntnisse liegen Jugendarbeit und Schulen vor? Und welche präventiven sowie ordnungsrechtlichen Maßnahmen können kurzfristig umgesetzt werden?

„Wir brauchen jetzt keine Diskussion darüber, ob das Thema unbequem ist“, sagt Tadge. „Wir brauchen klare Zuständigkeiten, Präsenz und Konsequenz. Gleichzeitig müssen wir dort, wo es notwendig ist, mit Jugendlichen und Eltern ins Gespräch kommen. Prävention und konsequentes Handeln gehören zusammen.“

Die CDU hält darüber hinaus eine verstärkte Präsenz und gezielte Kontrollen in der Innenstadt für erforderlich. Dies gelte insbesondere für Bereiche, in denen wiederholt entsprechende Beobachtungen gemacht worden seien. Gleichzeitig sollten Jugendliche und Eltern über die tatsächlichen Gefahren sowie über die rechtlichen Grenzen beim Umgang mit Softairwaffen informiert werden.

Täuschend echt aussehende Softairwaffen können als sogenannte Anscheinswaffen gelten. Das Führen solcher Waffen in der Öffentlichkeit ist grundsätzlich verboten.

CDU-Pressesprecher Stephan Rauball warnt zugleich davor, Jugendliche pauschal unter Verdacht zu stellen: „Die große Mehrheit der jungen Menschen in Stadthagen verhält sich völlig unauffällig. Aber genau deshalb dürfen wir nicht akzeptieren, dass eine kleinere Gruppe durch ihr Verhalten das Sicherheitsgefühl in der Innenstadt beeinträchtigt oder andere sogar gefährdet. Wer Grenzen überschreitet, muss auch mit einer Reaktion rechnen.“

Ahnefeld abschließend: „Wir haben vor wenigen Tagen gesagt: Wer Sorgen kleinredet, nimmt sie nicht ernst. Jetzt liegen konkrete Beobachtungen und Fotos vor, die Polizei wurde verständigt und war über Stunden in der Innenstadt präsent. Dazu kommen die zahlreichen grünen Kunststoffkügelchen auf dem Pflaster und in den Fugen der Obernstraße. Spätestens jetzt kann niemand mehr sagen, es gehe nur um subjektive Wahrnehmungen. Wir wollen keine Panik verbreiten. Aber wir werden auch nicht wegsehen. Der Runde Tisch muss kurzfristig zusammenkommen und zu konkreten Maßnahmen führen.“

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